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Growth Engines after
„the End of Capitalism“
Jeremy Rifkin

Government advisor, bestselling author, foundation founder, Washington

‚Das Ende des Kapitalismus‘ ist schon mehr als einmal angekündigt worden, und dies meist nicht im Zusammenhang mit Growth Engines. Warum also haben wir dieses Thema für EYES ON 2019 ausgewählt?

Von Anfang an war es das Konzept von EYES ON, nach vorne zu schauen und neue Ideen auf den Prüfstand zu stellen, die einen Mehrwert für Ihre Portfolios darstellen können. Und Jeremy Rifkin hat viele Denkanstösse mitgebracht, die für Investoren von grösster Bedeutung sein können. Was der Bestsellerautor und Regierungsberater voraussagt, ist nicht weniger als eine dritte industrielle Revo- lution. Eine Revolution, die unsere Lebens- und Arbeitsweisen und unsere gesamte Wirtschaftslandschaft verändern wird – und die neue Chancen und Growth Engines für den Finanzmarkt schaffen wird.

Internets statt Internet

Wir sprechen gewohnheitsmässig über ‚das Internet‘, so dass ein ‚s’ am Wortende überraschend kommen mag. Doch das Konzept von multiplen Internets steht im Mittelpunkt der Veränderung, die Jeremy Rifkin beschrieb. Er stellte dar, wie die erste und zweite industrielle Revolution von disruptiven Veränderungen in drei Hauptbereichen angetrieben wurden: durch neue Kommunikationsmittel, neue Energiequellen und neue Verkehrsmittel.

In diesen drei Bereichen vollziehe sich auch der Wandel in der dritten industriellen Revolution, sagte Rifkin: „3.5 Milliarden Menschen kommunizieren über das digitalisierte Internet. Dieses Kommunikations- Internet verbindet sich nun – in Europa und China – mit einem digitalisierten Internet der erneuerbaren Energien: Millionen von Menschen haben bereits damit begonnen, ihre eigene Energie zu produzieren. Nun verschmelzen diese beiden Internets mit einem dritten, dem digitalisierten Mobilitäts- und Logistik-Internet. Dieses wird durch das Internet der erneuerbaren Energien mit Energie versorgt und mit dem 5G-Standard über das Kommunikations-Internet koordiniert. Dieses dritte Internet wird in den nächsten 20 Jahren fahrerlose und autonome Mobilität schaffen, auf der Strasse, der Schiene, dem Wasser und in der Luft.“

Was treibt den Wandel an?
Laut Jeremy Rifkin ist die Antwort einfach: reine Notwendigkeit. „Wir erleben den Klimawandel in Echtzeit“, sagte er. „Unsere Ökosysteme kommen nicht hinterher, sie brechen in Echtzeit zusammen. Wir werden wahrscheinlich in den nächsten acht Jahrzehnten über die Hälfte der Arten auf diesem Planeten verlieren. Das letzte Artensterben dieser Grössenordnung gab es vor 65 Millionen Jahren.“ Und das war die Zeit, in der die Dinosaurier Platz für die Säugetiere und schliesslich für die Menschheit machten.

Rifkin wies darauf hin, dass die Wirtschaft in ihrer grundlegendsten Form darauf beruhe, verfügbare Energie und Materialien aus der Erde zu beziehen. „Wir gewinnen sie, wir versenden sie, wir lagern sie, wir produzieren daraus Waren und Dienstleistungen, wir konsumieren sie, wir führen sie zurück in die Natur. Das sind die Liefer- und Wertschöpfungsketten, in die Sie investieren. In jeder Phase dieses Umwandlungsprozesses müssen wir eine bestimmte Energie- und Materialmenge in die Produkte und Dienstleistung einbringen – also den Gesamtwirkungs- oder Nutzungsgrad.“

„Das dritte Internet wird fahrerlose und autonome Mobilität schaffen, auf der Strasse, der Schiene, dem Wasser und in der Luft.“

Was muss sich verändern?
Auch auf diese Frage hatte Rifkin eine klare Antwort: Der Wirkungsgrad muss sich verändern. „Wir haben die zweite industrielle Revolution in den USA 1903 mit einem Gesamtwirkungsgrad von 3% begonnen, und wir haben Ende der 90er Jahre 14% erreicht“, sagte er, „das war die Obergrenze in den USA.“ Mit erneuerbaren Energien und der Umstellung auf eine ‚Sharing Economy‘ könne dieser Wert drastisch gesteigert werden. Er nannte das Beispiel der Energiewende in Deutschland, wo die dezentrale Energieerzeugung Grenzkosten nahe Null ermöglicht.

Kann die Transformation gelingen? Ja, sagte Rifkin: „Wir sind das sozialste Wesen der Welt. Wenn wir etwas verstanden haben, können wir sehr schnell die Infrastruktur für eine völlig neue Ära entwickeln. Wir haben die Infrastruktur für die erste und zweite industrielle Revolution in jeweils 30 Jahren aufgebaut, und wir können die dritte Revolution binnen 30 Jahren schaffen.“

Transformation und die Growth Engines von morgen
„Wir schaffen ein globales Gehirn und Nervensystem“, so Rifkin. „Bis 2030 werden wir in der Lage sein, jeden mit jedem zu verbinden, virtuell und physisch – dies kann ein grosser Sprung für die Menschheit sein. Darin liegt ein enormes Transformationspotenzial.“
Und im Zuge dieser Transformation werde das ‚Ende des Kapitalismus‘ neue Growth Engines schaffen. Das Wissen darum könne schon für die Investitionsentscheidungen 2019 relevant sein.

„Bis 2030 werden wir in der Lage sein, jeden mit jedem zu verbinden, virtuell und physisch.“

Ausgewählte Fragen von EYES ON 2019 Gästen