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ETFs:
one of the Growth Engines for long-term success
Matthew Tagliani

Head of Product & Sales Strategy, London

„Ihr investiert doch passiv – streitet ihr euch nicht ständig mit euren aktiv investierenden Invesco-Kollegen?“ Diese Frage hat Matthew Tagliani schon mehrfach von Kunden gehört: „Einige können einfach nicht glauben, dass wir uns prächtig verstehen.“ Für ihn ist klar, dass es ein Spektrum vom aktiven Management bis hin zu passiven Lösungen gibt, aus dem die Kunden wählen, „und wir bei Invesco wollen das gesamte Spektrum abdecken.“

Er verglich das mit einem Restaurant: „Manchmal finden Sie einen Koch, dem Sie vertrauen, und dann wählen Sie vielleicht das Probiermenü – dieser Koch wäre der aktive Manager. Das andere Ende des Spektrums ist Beta: Schnitzel, Spaghetti oder ein einfaches und leckeres Gericht, das Ihre Mutter gekocht hat; das wären passive Core-Produkte. Und dann gibt es noch die kreativen Köche, bei denen Sie sich nicht für das Probiermenü ent- scheiden werden, doch vielleicht gefällt Ihnen die Art, wie diese ein bestimmtes Gericht zubereiten – das wären Spezialstrategien, die ebenfalls Teil unseres Angebots sind.“ Keine dieser Optionen sei ‚falsch‘, und sie alle würden gut unter einem Dach zusammenpassen. Das gelte gerade in einer Zeit zunehmender Regulierung, in der Grösse für Asset Manager mehr denn je zählt.

„Wir bei Invesco wollen das gesamte Spektrum abdecken.“

Barbara Lüthi:
Welches Buch lesen Sie gerade – als intellektuelle Growth Engine?

Matthew Tagliani:
„The Checklist Manifesto“. Barack Obama hat das zur Pflichtlektüre für jeden in seiner Regierung gemacht. Es ist faszinierend, wie das einfache Aufschreiben aller notwendigen Schritte die Erfolgsraten deutlich steigern kann.

Geht das spektakuläre Wachstum weiter?
Doch zurück zu den ETFs. Von einem niedrigen Niveau aus sind sie mehr als doppelt so schnell gewachsen wie jeder andere Anlagetyp. Wie hoch ist also der Marktanteil von ETFs an allen globalen Vermögenswerten nach Jahren spektakulären Wachstums? Im Jahr 2016 waren es 5%, also gut 5 Milliarden US-Dollar.1 Dies ist deutlich mehr als der ETF-Anteil von 2% im Jahr 2008, doch es bleibt ein überschaubarer Marktanteil und bietet viel Raum für weitere Expansion.

Und genau das wird passieren, prognostizierte Matthew Tagliani bei EYES ON 2019: ETFs werden weiterhin eine Growth Engine sein. Er sieht bis 2022 in Europa, Afrika und dem Nahen Osten ein ETFVermögen von 1.5 bis 2 Milliarden US-Dollar.2 Warum? „In den letzten zehn Jahren gab es weltweit und in Europa ein sehr stabiles Wachstum von 18% bis 21% im Jahr“, sagte er. Aktien-ETFs seien weiterhin dominant, doch die festverzinslichen Anlagen seien schnell gewachsen und machten nun über 20% aus. So werde das zukünftige Wachstum aus verschiedenen Quellen gespeist, was eine gesunde Entwicklung unterstütze.

Invesco ist die Nr. 4 für ETFs Für viele Anleger sei es nach wie vor überraschend, dass Invesco bei ETFs weltweit auf Platz 4 liegt, sagte Tagliani – „einige sind sogar regelrecht schockiert.“ Er wies darauf hin, dass die ETF-Geschichte von Invesco bereits 2006 mit der Übernahme von PowerShares begonnen habe. Nach den jüngsten Übernahmen von Source und Guggenheim ETFs habe Invesco alle ETFs unter der Marke Invesco konsolidiert, weil „den Menschen nicht mehr klar war, dass alles Teil von Invesco ist“, sagte Tagliani. Heute verwaltet Invesco rund 233 Milliarden US-Dollar in einer breiten Palette von passiven Produkten.3

Stichwort „Produkte“ – Matt Tagliani sprach die Schwierigkeit an, sich angesichts des rasanten Wachstums ein Gesamtbild vom ETF-Markt und der Vielfalt der neuen Produkte zu machen. „Bei Invesco teilen wir unsere Produktpalette in drei Bereiche auf“, sagte er, was Anlegern helfe, die ETFs auszuwählen, die ihr Portfolio am besten ergänzen: Core Beta, Präzionsinstrumente und Spezialstrategien.

1. Core Beta
Wichtige Aktien-Indizes, zentrale Benchmarks für Anleihen, breite Rohstoffindizes oder physisches Gold: In Core Beta ETFs liegt der Löwenanteil der ETF-Vermögenswerte, und genau dafür waren ETFs von Anfang an bekannt. „Wenn es einfach ist, sollte man nicht viel bezahlen müssen, und genau das ist es, worauf unsere Core Beta Produktfamilie ausgerichtet ist“, so Tagliani. Er wies darauf hin, dass bei Invesco die Gebühren für fast jedes Core Beta Produkt unter dem Branchendurchschnitt liegen.4

2. Präzisionsinstrumente
Dieser Bereich ist ausserordentlich umfangreich – er umfasst etwa Sektoren, Einzelfaktoren, einzelne Länder, thematische Fonds sowie Small- und Mid-Cap-Aktien. Was ist die Idee dahinter und wie werden diese Produkte eingesetzt? „Wenn man einen bestimmten Markt oder ein bestimmtes Segment durch passive Strategien abbilden möchte, kann man trotzdem klare Meinungen haben. Je nachdem, wo wir uns im Konjunkturzyklus befinden, entwickeln sich manche Sektoren tendenziell besser oder schlechter”, sagte Tagliani. Ein Investor könne zum Beispiel den US-Markt schätzen, jedoch Energie oder Technologie für besonders aussichtsreich halten. Genau so könnten Investoren ihr Portfolio mit ETFs präzise ausrichten. Fintechs seien ein weiteres Beispiel: Sie sind zwischen der Finanz- und Technologiebranche angesiedelt und passen nicht in die ‚klassischen‘ Segmente. Auch hier könnten Anleger mit ETF-Strategien eine massgeschneiderte ‚passive‘ Lösung finden.

3. Spezialstrategien
Faktoren wie Dividende, Value und Wachstum werden seit Jahrzehnten von aktiven Managern genutzt. „Faktorindizes und ETFs machen diese Konzepte präziser, transparenter und zugänglicher“, sagte Tagliani. Das erweitert die Anwendungsbereiche für ETFs und bietet zusätzliche Möglichkeiten: etwa für Anleger, die bestimmte Faktoren systematisch anwenden wollen. Das starke Wachstum der Smart Beta ETFs zeige, dass diese Strategien gefragt sind.5

Für die Zukunft sieht Matthew Tagliani eine Reihe von Growth Engines für Invesco und für Investoren. Dazu gehören die Einführung erfolgreicher US-Produkte in Europa, die verstärkte Einbeziehung von ESG-Kriterien und die Zusammenarbeit mit wichtigen internen Investmentzentren. ImU Fokus stehe auch, schnell auf spezifische Kundenanliegen eingehen zu können und eine schnelle Marktreife zu gewährleisten.

Zusammenfassend scheinen ETFs für Investoren in der Schweiz vielfältige Möglichkeiten zu eröffnen.

Ausgewählte Fragen von EYES ON 2019 Gästen:



1 Quelle: McKinsey. Stand: 31. Dezember 2017.
2 Quelle: Historische AUM-Daten von Invesco Global ETF Products & Research und Bloomberg. 2022 Prognosen aus der PWC ETF Umfrage, Dezember 2017.
3 Quelle: Invesco und Morningstar. Stand: 30. September 2018.
4 Quelle: Invesco, Bloomberg, 31. Juli 2018. Die Honorarspanne gilt für laufende Gebühren. Durchschnittliche Gewichtung nach AUM. Die Bandbreite der Wettbewerber wird durch alle ETFs definiert, die an einer europäischen Börse notiert sind und den gleichen Index abbilden.
5 Quelle: Globale ETPs, die in der Morningstar-Datenbank im Juni 2018 als ‚strategic beta‘ gekennzeichnet sind.